Sicherheit

Gefahren im Reisebus

Der Reisebus gilt als sicheres Fahrzeug. Doch auch dort lauern Gefahren. Kippt ein Bus bei einem Unfall auf die Türen-Seite, ist ein Entkommen kompliziert.

Gefahren im Reisebus
mid Groß-Gerau - Beim Sicherheitskonzept von Reisebussen gibt es noch Luft nach oben. Goslar Institut


Der Reisebus gilt als sicheres Fahrzeug. Doch auch dort lauern Gefahren. Kippt ein Bus bei einem Unfall auf die Türen-Seite oder lassen sich die Ausgänge aus anderen Gründen nicht öffnen, ist ein Entkommen kompliziert. Das ergab jetzt eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

"Vor allem, wenn nicht auf Hilfe durch Rettungskräfte gewartet werden kann, beispielsweise bei Brand oder Rauchentwicklung, sitzen die Menschen in der Falle", erklärt der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann. Er betont zwar, dass solche Ereignisse selten seien. Dennoch müssten Gesetzgeber und Bushersteller die Erkenntnisse der Studie umgehend umsetzen, fordert der Sicherheitsexperte.

Die UDV moniert insbesondere Defizite beim Evakuieren von Passagieren durch die Türen. Hier seien verbindliche Vorgaben für die Zeit erforderlich, innerhalb derer die Insassen bei einem Notfall einen Bus räumen können, wie sie für Flugzeug, Bahn und Schiff selbstverständlich sind, fordert die UDV. Zum besseren Verständnis: Für die Musterzulassung von Flugzeugen müssen deren Hersteller nachweisen, dass alle Passagiere innerhalb einer definierten Zeit evakuiert werden können, auch wenn nur die Hälfte aller Notausgänge zur Verfügung steht. Bei Verkehrsflugzeugen beträgt diese Zeitspanne zum Beispiel 90 Sekunden.

Sobald ein Bus schräg liegt und seine Türen blockiert sind, wird eine solche Evakuierung hingegen problematisch, wie die Unfallforscher bei Tests feststellten. Denn dann können nach ihren Erfahrungen ohne turnerische Qualitäten weder die Seitenscheiben noch die Dachluken genutzt werden. Die Frontscheibe steht als Notausstieg ebenfalls nicht zur Verfügung, weil sie aus Verbundglas besteht und nicht mit einem Not-Hammer zerschlagen werden kann. Und ein Entkommen über das Heckfenster werde mitunter durch Sonderanbauten wie Ski- oder Fahrradträger versperrt.

Konkret schlägt die UDV zur Verbesserung der Sicherheit von Reisebus-Passagieren vor, die bei vielen Herstellern bereits optional verfügbaren und aus dem Pkw bekannten Dreipunktgurte statt der kostengünstigeren Zweipunktgurte zu installieren. Außerdem plädieren die Unfallforscher für breitere Gänge zwischen den Sitzreihen sowie für Lichtleisten, die zu den nächstgelegenen Notausstiegen führen. Darüber hinaus sollen die Dachluken quer statt längs eingebaut werden, um ein Verlassen des Busses auf diesem Weg zu erleichtern. Außerdem dürfe die Heckscheibe niemals von außen versperrt sein.

Als wichtigste konstruktive Maßnahme für beinahe alle erdenklichen Endlagen des Busses nach einem Unfall hebt Experte Brockmann hervor, dass sich die Frontscheibe für den Ausstieg von innen entfernen lässt. Dies soll demnach durch einen Druckschlauch oder eine Sprengschnur entlang der Klebenaht möglich sein. Dann könnten nämlich auch ältere und unsportliche Insassen auf diesem Weg den Bus gut verlassen.

Der Artikel "Gefahren im Reisebus" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Bus, Sicherheit, Test, Ratgeber" von "Lars Wallerang" am 17. November 2021 veröffentlicht.

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