Historie

Die mid-Zeitreise: Lkw-Führerschein in acht Tagen

Am 27. November 1995 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 40. Jahrgang über den Lkw-Führerschein in acht Tagen. Ein Wahnsinn - aber es geht.

Die mid-Zeitreise: Lkw-Führerschein in acht Tagen
mid Groß-Gerau - Im Jahr 1995 bot die Firma Scout eine Lkw-Führerscheinprüfung in nur acht Tagen an. Sie waren auch als Rescue-Team bei der Rallye Paris-Dakar und der Pharaonen-Rallye tätige Unternehmen. Archiv Motor-Informations-Dienst (mid)


Am 27. November 1995 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 40. Jahrgang über den Lkw-Führerschein in acht Tagen. Ein Wahnsinn - aber es geht.

"In acht Tagen zum Lkw-Führerschein - wir bringen Sie durch", verspricht die Werbung der Scout-Logic-Fahrschule in Speyer. Nur eine Woche für den großen Schritt vom Pkw-Fahrer zum Brummi-Kapitän - das ist Wahnsinn. Die meisten Männer, die im Besitz des Führescheins Klasse 2 sind, haben dafür bei der Bundeswehr ein paar Monate Zeit. Ein dummes Gefühl war es schon bei der Kursanmeldung. Aber dann auf dem Parkplatz vor dem 21 Meter langen Lkw-Monster wird es erstmal richtig mulmig.

Zwischen den vergleichsweise zierlichen Transportern, mit denen bislang gefahren wurde, und dem MAN 4x4 Prototypen für den Offroad-Einsatz, der als Sparring-Partner bis zum Führerschein zugeteilt wurde, ist ein enormer Größenunterschied. Und mit dem Fahren allein ist es ja nicht getan. Auch die Technik des Gefährts will durchschaut werden. Dies sei sogar das Schlimmste, hatten wohlmeinende Freunde vorher noch versichert. Dazu kommt das theoretische Grundwissen für die Führerschein-Klasse-3, das aufs Neue abgefragt wird - obendrauf die Klasse-2-Fragen.

Montags am Morgen ist Kursbeginn für sechs Schüler. Was bedeutet: Erstmal drei Stunden Theorie bei Fahrlehrer Manfred. Mit Hilfe des Lehrbuchs wird angefangen, den Lkw Stück für Stück aufzubauen: Rahmen und Räder, Motor, Getriebe, Aufbauten, Anhänger und als Wichtigstes die Bremsanlage. Diese Kapitel werden an den folgenden Vormittagen gemeinsam durchgeackert. Der Lehrmeister macht immer wieder klar, dass das Pensum nur mit vollem Einsatz zu schaffen ist.

Nachmittags geht es dann rauf auf den Lkw. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Thema "Abfahrtkontrolle" stehen wir schon oben auf dem gekippten Fahrerhaus, um den Kühlwasserstand zu kontrollieren. Eine unempfindliche Oberbekleidung muss her. Die gibt es zum Glück bei der Raststätte, wo allabendlich gemeinsam gegessen wird.

Der Dom in Speyer ist nur von der Ferne sichtbar. Dafür wird in der kommenden Woche gelernt, wie mit dem Brummi durch eklig schmale Straßen zu rangieren ist. Schon in der ersten Fahrstunde sind enge Ortsdurchfahrten zu bewältigen: Links und rechts parkende Fahrzeuge, Fußgänger, die die Straße plötzlich überqueren, dazwischen noch ein Radfahrer. Ständige Kontrollblicke in die beiden Außenspiegel, ob die 20 Meter Auto hintendran auch so wollen, wie der Pilot.

Die ersten beiden Fahrstunden nehmen wider Erwarten einen recht manierlichen Verlauf. Und die erste Überlandfahrt am nächsten Tag macht fast schon Spaß - trotz des Höllenlärms im Fahrerhaus, des ungefederten Sitzes, der großen Pedale, die ruckend und zuckend eine Art Eigenleben unter den Füßen zu führen scheinen, und trotz des Schalthebels, der bei hektischen Handgriffen leicht den falschen Gang auswählt.

Zum Büffeln gehört: 770 Fragen im Computerprogramm lösen. Verkehrsschilder, Mindestabstände, Vorfahrtsituationen - bunt durcheinander gemischt. Am Tag vor der Prüfung muss im Bezug auf Theorie, Abfahrtkontrolle und Rangieren alles ganz gut sitzen. Wie die praktische Prüfung mit Anstand überstanden werden soll, ist uns ein Rätsel. Die letzte Fahrstunde war eine einzige Katastrophe.

Montags dann die Prüfung nach einer Woche Schinderei. Das gemeinsame Frühstück wird sich mit deutlich weniger Appetit als in den vergangenen Tagen gegönnt. Die Theorie bestehen alle sechs Probanden! Dann folgt die Praxis: Aus Speyer hinaus über Land zum nächsten Örtchen, dort ein bisschen herumgekurvt und links gucken, rechts gucken - Vorsicht: Stoppschild. Alles klar. Dann zurück zur Fahrschule. Anhalten, Motor aus. So gut sind wir noch nie gefahren! Der Prüfer lächelt - bestanden. Die Leute von Scout hatten also doch nicht zu viel versprochen: Lkw-Führerschein in acht Tagen - ein Wahnsinn, aber es geht.

Der Artikel "Die mid-Zeitreise: Lkw-Führerschein in acht Tagen" wurde in der Rubrik NFZ & FUHRPARK mit dem Keywords "Historie, Lkw, Prüforganisation, Führerschein" von "Motor-Informations- Dienst (mid)" am 23. August 2021 veröffentlicht.

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