Limousine

Fiat Pläne: Mit dem Tipo zum Erfolg

Fiat sucht nach alter Stärke. Mit dem Multitalent Tipo, der in gleich drei Karosserie-Versionen angetreten ist, soll sie gefunden werden. Giorgio Gorelli, Chef der deutschen Fiat Chrysler Automobiles AG (FCA), plant strategisch.

Fiat braucht gerade in Deutschland einen großen Kompaktwagen, der sich schon in Richtung Mittelklasse streckt und dennoch bezahlbar ist. "Torino wir haben ein Problem." So oder ähnlich könnte daher der Hilferuf aus der deutschen Dependance nach Norditalien geschallt sein, wo die Oberen des Fiat-Konzerns immer noch in fast klassizistischen Büros residieren und vor allem der Universal-Herrscher Sergio Marchionne mit harter Hand und blauem Pullover den Konzern regiert. Er war es, der die Marke Lancia außerhalb des Heimatmarktes aufs Abstellgleis rangierte, auch der Versuch, sie vorübergehend mit umgetauften Modellen aus der Chrysler-Programm auf unrentablen Strecken einzusetzen, ging auf sein Konto und völlig daneben.

Fiat selbst hat sich als die italienische Volksauto-Marke in der Mittelklasse niemals so recht wohlgefühlt. Der Croma war das bislang letzte Atemholen, um im Chor der Vollsortimenter mitzusingen. Ob Regatta, Stilo oder Bravo, keine der Baureihen konnte das Unternehmensergebnis und schon gar nicht das Markenimage nennenswert verbessern. Neben der überaus erfolgreichen Nutzfahrzeugsparte haben bei Fiat bisher nur Kleinwagen ihre Berufung zu Höherem erfahren. Der Panda gilt mittlerweile als Urgestein, der neu aufgelegte 500, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, schafft es sogar, sich ins Umfeld von Autos mit Kultstatus wie BMW Mini, VW Beetle oder Opel Adam zu manövrieren. Die zum Minivan aufgeblasenen Versionen des 500L zünden weit weniger erfolgreich. Zu wenig originell sind sie, oder aber nicht konservativ genug, um die Zahl der Fiat-Kunden stärker zu erhöhen.

Und nun kommt der Tipo, dem das vielleicht eher gelingen könnte. Ein kreuzbraves Auto mit gediegener, keineswegs exaltierter Linienführung, allenfalls der Stufenheck-Limousine, die bei uns eine eher unbedeutende Rolle spielen wird, wohnt eine Spur avantgardistischer Gene inne. Das Trio ist nun seit Ende vergangenen Jahres komplett und auf dem Markt, das Schrägheck-Modell und der Kombi verkaufen sich gut und schaffen es mit einfachen Mitteln, Kunden zu überzeugen. Mit einer sachlichen aber nicht spartanischen Ausstattung etwa. Für rund 22.000 Euro gibt es die Topausstattung des Kombi mit dem 88 kW/120 PS starken 1,4-Liter-Turbobenziner und mit allem bestückt, was die Aufpreisliste hergibt. Dann finden sich Annehmlichkeiten wie Navigationssystem, Klimaanlage und Sitzheizung an Bord, eine Handvoll hilfreicher Assistenten macht den 4,57 Meter langen Italiener sicherer.

Die Verarbeitung ist gut, das gilt es bei Fiat durchaus hervorzuheben, die aktuellste Erneuerung soll jetzt einen bisher ausgegrenzten Kundenkreis erreichen. Für die leistungsstärksten Versionen des Tipo gesellen sich automatische Getriebe zum Angebot. Beim 1,4-Liter-Benziner ist das eine Wandlerautomatik für 2.000 Euro Aufpreis, der gleichstarke 1,6-Liter-Diesel lässt sich für 1.800 Euro mehr mit einem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe kombinieren. Beide arbeiten flink und geschmeidig, nehmen den Motoren nichts von ihrer Durchzugsstärke.

Dies allein genügt jedoch nicht, um die Ziele und Erwartungen an künftige Geschäftsentwicklungen zu erfüllen. Deutschland-Chef Giorgio Gorelli will den Verkauf nun mit ungewöhnlichen Maßnahmen ankurbeln. Zunächst mit einem Fleet-Day, zu dem er mehr als 200 Entscheider oder Betreiber von Fuhrparks einlädt, um das Automobilprogramm von FCA kennenzulernen.

Und da das Händlernetz mit aktuell 270 Stützpunkten durchaus ausbaufähig sei, könnten neue und zusätzliche Vertriebspartner für mehr Absatz sorgen. Der Investors-Day könnte ihr Interesse an der Markengruppe wecken. Für beide Veranstaltungen hat Gorelli den Hockenheimring gewählt, das Motodrom soll die Produktpalette in bestem Glanz erstrahlen lassen und mit anspruchsvollen Probefahrten auf der Strecke locken. 50 bis 70 neue Händler will Gorelli auf diesem Weg von den Marken Alfa Romeo, Fiat, Jeep, Fiat Professional und Abarth überzeugen.

Michael Kirchberger/mid

Technische Daten Fiat Tipo Kombi 1,6 Multijet Lounge
Fünftüriger Mittelklassekombi, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,57/1,79/1,51/2,64, Leergewicht: 1.425 kg, zul. Gesamtgewicht: 1.900 kg, max. Zuladung: 475 kg, Kofferraumvolumen: 550- 1.350 l, Tankinhalt: 50 l, Preis: ab 22.250 Euro.
Motor: Reihenvierzylinder-Diesel, Hubraum: 1.598 ccm, Leistung: 88 kW/120 PS bei 3.750/min, max. Drehmoment: 320 Nm bei 1.750/min, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 10,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h, Normverbrauch: 3,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 90 g/km, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb.

Der Artikel "Fiat Pläne: Mit dem Tipo zum Erfolg" wurde in der Rubrik NFZ & FUHRPARK mit dem Keywords "Limousine, Kombi, Automatik, Neuheit, Auto" von "Michael Kirchberger" am 28. Februar 2017 veröffentlicht.

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