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Nordische Alternative: Neuer Elektrobus von Scania

Der neue Niederflurbus Citywide BEV soll dem schwedischen Omnibushersteller Scania wieder zu bekömmlichen Stückzahlen im Stadtbusgeschäft verhelfen. Jetzt geht er in Deutschland an den Start, der Motor-Informationsdienst (mid) stellt den Neuzugang detailliert vor.

5Nordische Alternative: Neuer Elektrobus von Scania
mid Groß-Gerau - Neu für urbane Verkehre: Scania Citywide BEV mit batterieelektrischem Antrieb, wahlweise in Längen von 11,5 bis 13,2 Meter. Scania


Der neue Niederflurbus Citywide BEV soll dem schwedischen Omnibushersteller Scania wieder zu bekömmlichen Stückzahlen im Stadtbusgeschäft verhelfen. Jetzt geht er in Deutschland an den Start, der Motor-Informationsdienst (mid) stellt den Neuzugang detailliert vor.

Um die Omnibusse von Scania war es zuletzt ziemlich ruhig geworden. In Zeiten einer Pandemie mag das nicht ungewöhnlich sein. Im Vergleich zum Wettbewerb fehlten jedenfalls zündende Botschaften, und gerade im deutschsprachigen Raum spielten andere groß auf. Was so manchen Branchenkenner verwunderte: Schließlich hatte man den neuen Scania Citywide BEV (Battery Electric Vehicle) schon 2019 in Brüssel gesehen.

Jetzt aber ist der Startschuss zur Serienfertigung gefallen, der neue Scania-Stadtbus hat auch schon eine erste Vorführtour in Österreich absolviert. Höchste Zeit, den Newcomer näher zu inspizieren.

Auf den ersten Blick steht fest, dass der Citywide nicht nur für elektrische Antriebe konzipiert wurde. Klarer Hinweis darauf: Statt Quermotor mit Winkeltrieb wie früher steht jetzt ein Motorturm links im Heck. Und spätestens hier wird klar, dass der schwedische Stadtbus ein Eigengewächs ist und nicht gemeinsam mit den Konzernkollegen von MAN (Traton AG) entwickelt wurde. Der Elektrobus aus München kommt ohne Motorturm aus, sein Heck ist voll verglast und bestuhlt. Weil die Schweden mit höheren Stückzahlen liebäugeln, haben sie auch die teure Aluminiumbauweise ad acta gelegt, vielleicht auch wegen der jetzt hohen Dachlasten - der Scania Citywide wird nun klassisch in korrosionsbeständigem Edelstahl gefertigt.

Optisch bevorzugt der neue Stadtbus eine strenge Linienführung mit technisch konservativer Anmutung. Viel dunkles Glas bis tief in die Flanken, erst darunter die segmentierte Beplankung - leichte Anfahrschäden lassen sich so leicht reparieren. Vier oder sechs Batteriemodule werden im vorderen Fahrzeugbereich aufs Dach montiert, vier Module sind im "Motorturm" positioniert. Bis zu 320 Kilowattstunden (kWh) sind möglich, der Konzernkollege aus München hat mit 480 kWh mehr zu bieten.

Beide werden mit NMC-Batterien (= Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt) aus dem Volkswagenkonzern bestückt, allerdings kann der Scania seine Akkus per Pantograf mit derzeit 300 Kilowatt schnellladen und der MAN nicht. Der Lions City E ist ausschließlich als Depotlader konzipiert, der mit CCS-Stecker Strom mit nur 150 kW zapfen kann.

Beide Elektrobusse treiben PSM-Zentralmotoren (= Permanentmagnet-Synchron-Motoren) an, die Scania-Techniker nutzen für höhere Steigfähigkeit und Geschwindigkeiten bis 85 km/h ein automatisiertes Zweiganggetriebe, das bei 37 km/h in die große Übersetzung wechselt. Scania verspricht für den Elektromotor hohe thermische Reserven: Der inhouse entwickelte E-Motor wird mit Ölsprühkühlung bei Laune gehalten.

Auch wenn es um das Fahrwerk geht, gibt es Neuheiten zu berichten. Statt der früheren Starrachse vorn setzen die Schweden jetzt auf eine zeitgemäße Einzelradführung, die den Fahrkomfort verbessert und die zulässige Achslast auf 8.200 Kilo erhöht. Bei der Vorderachs-Bereifung hat der Kunde die Wahl, das breitere 315/60er-Format (wie der eCitaro) oder die klassischen 275/70er Pneus zu wählen, die jetzt auch die nötige Tragfähigkeit aufweisen. Die Hinterachse, eine Niederflur-Portalachse, liefert ZF zu, die Vorderachs-Konstruktion soll eine Scania-eigene Konstruktion sein.

Zeit für einen Blick nach innen, die Fahrgäste betreten den schwedischen Elektrobus über drei breite Portale, vier verschiedene Türvariationen sind möglich. Der Innenraum profitiert von großzügiger Verglasung, er wirkt hell und aufgeräumt, wir registrieren durchwegs schwedische Designqualität. Mit bequemen Sitzen in geschmackvoller Farbkombination, hochwertigen Edelstahlhaltestangen, der Citywide spielt jetzt in einer höheren Liga als früher. Für einen günstigen Energieverbrauch beim Heizen sorgt eine Wärmepumpe, ab minus fünf Grad schaltet sich eine Verbrenner-Zusatzheizung zu. Und im Sommer funktioniert das System als elektrische Klimaanlage.

Der neue Scania Citywide ist in Längen von 11,5 bis 13,2 Metern als Zweiachser bestellbar, die unterschiedlichen Formate sind durch die Variation der Radstände von 5.300 bis 7.000 Millimeter bestimmt. Maximal soll der neue Elektro-Scania sogar mehr als 100 Fahrgäste befördern, es kommt darauf an, wie viele Personen der Betreiber für den Quadratmeter kalkuliert. Bleibt letztlich noch die Frage, wann der Gelenkzug folgt, der für zusätzliche Stückzahlen sorgen könnte.

Wolfgang Tschakert / mid

Der Artikel "Nordische Alternative: Neuer Elektrobus von Scania" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Nutzfahrzeuge, Bus, Personentransporter, ÖPNV, Neuheit, Elektromobilität" von "Wolfgang Tschakert" am 25. Mai 2021 veröffentlicht.

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