Automobilindustrie

Deutschland fährt im EU-Vergleich hinterher

Immer mehr SUV und sinkende Zulassungszahlen von Diesel- und Elektro-Fahrzeugen: Diese Kombination bringt die deutschen Autobauer nach Ansicht von Professor Ferdinand Dudenhöffer in die Bredouille. Warum das denn?


Immer mehr SUV und sinkende Zulassungszahlen von Diesel- und Elektro-Fahrzeugen: Diese Kombination bringt die deutschen Autobauer nach Ansicht von Professor Ferdinand Dudenhöffer in die Bredouille. Wegen des Verfehlens der Emissionsziele könne es zu Strafzahlungen an die EU kommen. Und weil China eine E-Auto-Quote einführen will, droht auch hier Ärger.

Der Abwärtstrend für Selbstzünder-Modelle infolge der Abgas-Affäre ist laut der Experten der Universität Duisburg-Essen mittlerweile unübersehbar. Eine fatale Entwicklung, da die deutschen Hersteller mit Blick auf die CO2-Grenzwerte der EU voll auf die Dieselkarte gesetzt hätten. Dieselgate und die erhöhten Stockoxid-Emissionen bei vielen Modellen im realen Fahrbetrieb könnten dies verhindern. Denn "die Akzeptanz von Diesel-Pkw bei Neuwagenkäufer sinkt immer stärker", ist in der aktuellen Veröffentlichung des Center Automotive Research (CAR) zu lesen. 44,2 Prozent Marktanteil im Oktober 2016 seien der niedrigsten Wert seit 67 Monaten. Und bis 2018 könne er gar unter 40 Prozent sinken. Das sei mit Blick auf den SUV-Boom - der Marktanteil ist von 18,7 auf aktuell 22,4 Prozent gewachsen, Tendenz steigend - umso bedenklicher.

Und was ist nun zu tun? "Die deutschen Autobauer und ihr Verband müssen die Klimapolitik deutlich ernster nehmen als bisher und schneller gegensteuern", schreibt Ferdinand Dudenhöffer und warnt vor einer weiteren Gefahr: China erwäge eine Mindest-Quote von 8 Prozent für Elektroautos. "Für die deutschen Autobauer würde das bedeuten, dass bereits im Jahr 2018 mehr als 400.000 Elektroautos von Audi, BMW, Daimler und VW in China gebaut werden müssen, um hohe Strafzahlungen oder große Marktanteilsverluste zu vermeiden." Damit aber sei angesichts des noch schwachen Angebots der deutschen Autobauer nicht zu rechnen: "Nahezu alles, was an neuen Elektroautos von deutschen Autobauern auf Messen vorgestellt wurde, kommt erst um das Jahr 2019 und 2020 in den Markt."

Die Elektroauto-Zulassungen in Deutschland sind trotz der eingeführten Kaufprämie sogar rückläufig. Wurden nach den Zahlen des CAR im Oktober 2015 noch 1.167 neue E-Mobile und Plug-in-Hybride neu zugelassen, waren es im Oktober 2016 nur 611 Einheiten. Und damit fahre Deutschland im europäischen Vergleich gnadenlos hinterher: Gerade einmal 0,7 Prozent aller neuen Pkw in den ersten neun Monaten 2016 waren Elektro-Modelle, das bedeutet Platz 11 in der EU und liegt sogar unter dem Durchschnittswert von 0,9 Prozent. Deutlich besser läuft es in Sachen E-Mobilität nicht nur im Vorzeige-Land Norwegen (28,8 Prozent!), sondern zum Beispiel auch in Schweden (3,5), den Niederlanden (2,8), der Schweiz (2,0) und den beiden großen Auto-Nationen Frankreich und England (jeweils 1,4 Prozent). Und Alternativen zum E-Auto gibt es laut Dudenhöffer in Deutschland ebenfalls nicht. Trübe Aussichten also? Bisher haben sich die deutschen Ingenieure noch immer etwas einfallen lassen.

Der Artikel "Deutschland fährt im EU-Vergleich hinterher" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Automobilindustrie, Elektromobilität, Elektroauto, Statistik, Diesel" von "Thomas Schneider" am 14. November 2016 veröffentlicht.

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