Fahrbericht

Kia Ceed GT: Trompetensolo für Vati und Mutti

Was bei Automarken mit Sport-Appeal längst üblich ist, hat auch Kia erfasst. Als Top-Version gibt es bei der Ceed-Baureihe eine GT-Version, die mit mehr Mumm und optischen Reizen diejenigen Käufer anlocken soll, die es gern flotter angehen wollen.


Das mag manchen überraschen: Der koreanische Autobauer Kia macht seit etwa drei Jahren einen auf sportlich. Es geht jetzt weniger darum, dass dort neben den eher funktionalen Modellen auch ein Coupé im Showroom steht. Verblüfft darf man eher darüber sein, dass selbst die Limousinenversion des Ceed als GT zu haben ist, der 2016 noch einmal nachgeschärft wurde. Wer jetzt glaubt, dass sich die Zusatzbezeichnung GT lediglich auf ein paar optische Gags bezieht, der irrt gewaltig. Ähnlich wie bei GTI-Versionen von VW oder den M-Varianten von BMW betreffen die Veränderungen in erster Linie Motor und Fahrwerk. So wird der familientaugliche Fünftürer zum quicklebendigen Sportler - sozusagen ein Sprinter für Vati und Mutti.

Klar, so ganz ohne Anreize fürs Auge geht es nicht. Beim Rundgang um den Kraftmeier fallen besonders die roten Bremszangen an der Vorderachse und die zwei wuchtigen Auspuffrohre auf, die unternehmungslustig aus der Heckschürze lugen. Unterstrichen wird die dynamische Erscheinung durch den etwas abgewandelten Kühlergrill, das Tagfahrlicht mit den vier LED-Spots und die großen 18-Zoll-Leichtmetallräder. Nach dem Öffnen der Tür erfreuen die körpergerecht ausgeformten Sportsitze mit den roten Steppnähten. Diese Applikation gibt auch dem wulstigen, griffgerechten Lederlenkrad eine besondere Note. Und auch das tut dem Auge gut: die akkuraten Passungen am Armaturenbrett samt der hochwertig wirkenden Kunststoffoberfläche, die eine angenehme Haptik verspricht.

Sobald der Startknopf gedrückt ist, verfällt der Motor in ein zufriedenes Brabbeln. Der direkteinspritzende Vierzylinder-Benziner mobilisiert aus 1,6 Liter Hubraum dank seiner Turbokraft 150 kW/204 PS, die den flotten Kia bis auf 230 km/h beschleunigen. Die 100er-Marke ist nach 7,7 Sekunden erreicht. Da das maximale Drehmoment von 265 Nm bereits bei 1.500/min zur Verfügung steht, zieht der Motor bei mäßiger Geschwindigkeit selbst in den höheren Gängen kräftig durch. Apropos Schaltung: Das knackige Sechsgang-Getriebe begeistert mit hoher Präzision und guter Abstufung. Der im Prospekt genannte Benzinverbrauch von durchschnittlich 7,4 Liter auf 100 Kilometer ist im gemischten Betrieb eher nicht zu schaffen, realistischer gerechnet sollte man so um die 9 Liter einplanen.

Dass der KIA Ceed GT nicht einfach eine Limousine für jedermann sein will, ist auch am Fahrwerk erkennbar. Es präsentiert sich deutlich straffer als in der "zivilen" Variante und ermöglicht eine entsprechend nach oben verschobene Fahrdynamik. Zum einfachen Dahinrollen würde sich der Fahrer manchmal sogar eine Spur mehr Komfort wünschen, da jeder Kanaldeckel zuverlässig in den Innenraum gemeldet wird. Als Besonderheit ist die GT-Taste am Lenkrad zu werten: Kaum ist sie gedrückt, wird aus dem konventionell in Zeigeroptik dargestellten Tachometer ein Infozentrum, das neben der nun digitalen Tempoanzeige auch das derzeitige Drehmoment und die Blaskraft der Turboladers sichtbar macht. Als akustische Dreingabe wechselt der Motor seine Klangfarbe in Richtung Sportbolide: ein Trompetensolo für Vati und Mutti. Rechtzeitig vor Erreichen der heimischen Wohnung eingeschaltet mag es für die Daheimgeblieben als Zeichen gewertet werden, rechtzeitig die Kaffemaschine für den zügigen Heimkehrer einzuschalten.

Als Limousine muss der Ceed GT kaum Einbußen bei seinen praktischen Eigenschaften hinnehmen. Auch die Hinterbänkler können sich über ausreichend Platz freuen, zudem steht ein Kofferraum bereit, der mit 380 bis 1.318 Liter Laderaum angemessenen Platz für die unterschiedlichsten Frachtanforderungen bietet. Klar, dass der Kia Ceed in der einfachen Ausführung preislich rund 10.000 Euro über der Basis-Version rangiert. Wie auch das dreitürige Pro-Ceed-Coupé rollt die Limousine in zwei Ausstattungsvarianten zum Kunden: als GT Challenge und GT Track. In der von uns gefahrenen und komplett ausgestatteten Track-Version sind 27.990 Euro (Challenge: 24.990 Euro) fällig. Dafür sind dann sogar ein Navigationssystem mit 7-Zoll-Display inklusive Rückfahrkamera, Verkehrszeichenerkennung, und Spurhalteassistent an Bord. Wir empfehlen, ihn in der Farbe Rot zu ordern: Da harmonieren Außenlack und die in gleichem Ton lackierten Bremszangen besonders gut. Zudem weht bei gedrückter GT-Taste akustisch ein Hauch von Ferrari übers Land. Die Renner aus Modena sind ebenfalls meistens rot und sprechen mit ihrem Auspuff eine deutliche Sprache.

Klaus Brieter/mid

Technische Daten Kia Ceed GT (Track)
Fünftürige Limousine der unteren Mittelklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,31/1,78/1,43/2,65, Leergewicht: 1.395 bis 1.470 kg, Zuladung: 503 kg, Tankinhalt: 53 l, Kofferraumvolumen: 380 bis 1.318 l.

Motor: Vierzylinder-Turbo-Benziner mit Direkteinspritzung, Hubraum 1591 cm3, Leistung: 150kW/204 PS bei 6.000/min, max. Drehmoment: 265 NM bei 1.500/min, 0-100 km/h: 7,2 s, Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h, 6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb, Durchschnittsverbrauch: 7,4 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 170 g/km, Energieeffizienzklasse: E, Preis: ab 27.990 (GT-Challenge: ab 24.990)

Der Artikel "Kia Ceed GT: Trompetensolo für Vati und Mutti" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Fahrbericht, Sportwagen, Turbolader" von "Klaus Brieter" am 9. November 2016 veröffentlicht.

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