Verkehrssicherheit

Continental: Der Winter kann kommen

Nach vier Jahren und zahlreichen Siegen des TS 850 bei namhaften Winterreifentests geht Continental den nächsten Schritt und präsentiert rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit den Nachfolger TS 860.


Getreu der griffigen Faustregel erfahrener Fahrensleute, dass man dem Auto von O bis O (Oktober bis Ostern) die Wintersocken anziehen soll, geht der deutsche Reifenhersteller Continental mit einem neuen Produkt auf Vorstellungstour. Der Continental WinterContact TS 860 tritt kein leichtes Erbe an. Denn sein Vorgänger, der TS 850, heimste bei der Fachpresse, Automobilclubs und Verbraucherschutzorganisationen in den vergangenen vier Jahren zahlreiche Trophäen ein. Insgesamt 47 Mal rollte der Winterreifen dabei auf das Siegertreppchen. Der neue Pneu scheint diesem Anspruch des Siegertypen gerecht zu werden, denn mitten in die Präsentation platzt die Nachricht, dass er bereits bei einer renommierten Autozeitung den Produktvergleich gewonnen hat.

Und was ist beim Neuen anders? Die Entwickler konzentrierten sich ganz besonders auf Fortschritte, die mit der Fahrsicherheit in der nasskalten Jahreszeit zu tun haben: Beim Bremsen auf nasser Straße liefert er laut Hersteller gegenüber dem Vorgänger um fünf Prozent bessere Werte, auf Eis sind es in dieser Disziplin immerhin noch vier Prozent. Und auch beim Kurvenfahren und bei der Griffigkeit auf Schnee bedeckter Fahrbahn soll er den TS 850 toppen. Zum kurz bevorstehenden Verkaufsstart werden zunächst 36 Artikel in 21 Dimensionen zwischen 14 und 17 Zoll Durchmesser für Fahrzeuge der Kompakt- und Mittelklasse angeboten, 2017 kommen weitere 20 Versionen hinzu.

Besonders stolz sind die Entwickler auf die neue Kombination, die sich aus der Mischung des Reifenmaterials und dem Profil-Design ergibt. Die "Cool-Chily" genannte Mischung fußt auf einem hohen Silica-Anteil, der die Bremswege auch auf nassen Fahrbahnen verkürzt. Neu sind spezielle Hochleistungsharze, die dafür sorgen, dass die Kälteflexibilität der Mischung selbst bei grimmigen Wintertemperaturen noch erhalten bleibt. Eine wichtige Voraussetzung, um Bremswege bei unwirtlichen Bedingungen mit Nässe, Eis und Schnee zu verkürzen.

Eine der größten Herausforderungen beim Entwickeln eines Winterreifens begegnet den Technikern, wenn sie die Bremswege auf Eis verkürzen wollen. Das Problem: Beim Bremsen auf eisigem Untergrund entsteht unter dem Profil ein Wasserfilm, der sich wie ein Schmiermittel auswirkt, weil so die Kontaktfläche zwischen Rad und Straße deutlich verringert wird. Gegen diesen Effekt soll ein zusätzlich ins Profil eingearbeiteter Wasserkanal helfen, der den klangvollen Namen "LiquidLayerDrainage" bekommen hat. Durch diesen Kanal wird der Wasserfilm zügig an die Außenkanten abgeleitet, sodass das Profil der Lauffläche beim Bremsen weniger beeinflusst wird.

Schließlich sind die Conti-Ingenieure noch auf ihre "SnowCurve+"-Technologie stolz. Hinter diesem interessant klingenden Begriff verbirgt sich eine neue Komponente der Profilgestaltung. Mit einer zusätzlichen Rille im v-förmigen Profil der Lauffläche, die in die Wand der Profilblöcke eingearbeitet ist, krallt sich der Reifen besser am Schnee fest. Die Verzahnung zum Boden wird dabei über den Schnee eingeleitet, der in der "Wunderrille" zusammengedrückt ist. Die auf diesem Weg gewonnene Traktion soll dem Anfahren, dem Bewältigen von Kurven und dem Bremsen gleichermaßen zugute kommen.

Wie es scheint, hat Continental wieder einen Siegertypen kreiert. Man darf gespannt sein, wie die Konkurrenz reagiert. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr. Denn wer mit seinen "Wintersocken" fürs Auto von O bis O unterwegs sein will und in diesem Winter neue Reifen braucht, der wird schon bald beim Reifenhändler auftauchen.

Klaus Brieter

Der Artikel "Continental: Der Winter kann kommen" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Verkehrssicherheit, Reifen, Winter, Neuheit" von "Klaus Brieter" am 7. Oktober 2016 veröffentlicht.

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