Verkehr

Schiene versus Straße: Die Bahn hat immer Vorfahrt

Die Zahl der Bahnübergänge hat sich im Streckennetz der Bahn seit 1950 mehr als halbiert. Jüngst steigen die Zahl der tödlichen Unfälle an diesen Verkehrswege-Kreuzungen wieder.


Die Zahl der Bahnübergänge hat sich im Streckennetz der Bahn seit 1950 mehr als halbiert. Unfälle an diesen Kreuzungen zwischen Straße und Schiene sind ebenfalls seltener geworden, wenn es an ihnen jedoch kracht, sind die Folgen gravierend. Bei einem Viertel der massiven Begegnungen gibt es Tote. Mehr als 90 Prozent der Unfälle an Bahnübergängen sind dabei auf das Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer zurückzuführen. Bei vielen herrscht Unsicherheit darüber, wie sie sich an den Knotenpunkten von Schiene und Straße richtig verhalten müssen. Unaufmerksamkeit und Leichtsinn sowie allzu oft die Missachtung der technischen Sicherungseinrichtungen, also Schranken und Warnlichter, sind weitere Gründe.

Bahnübergänge werden in der Regel mit entsprechenden Hinweisen frühzeitig angekündigt. Das Verkehrszeichen "Bahnübergang" oder "Bahnübergang mit Schranken oder Halbschranken" weist auf die Verkehrswegekreuzung hin. Weiß-rote Baken am Fahrbahnrand klären über die Entfernung auf: Die mit drei Strichen stehen in 240 Meter Abstand, bei zwei Strichen sind es nur noch 160 und bei einem 80 Meter. Diese Baken sollen den Kraftfahrern signalisieren: Tempo drosseln. Denn wer sich einem Bahnübergang nähert, fährt am besten langsam, aufmerksam und jederzeit bremsbereit. Außerdem besteht nach dem ersten Hinweisschild Überholverbot.

Das sogenannte "Andreaskreuz" mit den beiden gekreuzten rot-weißen Balken weißt dann direkt vor dem Übergang auf die Verkehrswege-Kreuzung hin, vor allem darauf, dass der Schienenverkehr immer Vorrang hat. Nähert sich also ein Schienenfahrzeug, senken sich die Schranken oder sind bereits geschlossen, schwenkt ein Bahnbediensteter eine weiß-rot-weiße Fahne oder wenn der Übergang - aus welchen Gründen auch immer - nicht zügig überquert werden kann, muss vor dem Andreaskreuz gewartet werden. Der absolute Vorrang der Schienenfahrzeuge ist nicht zuletzt dadurch begründet, dass ein Zug, der mit 100 km/h unterwegs ist, einen Bremsweg von rund 1.000 Meter bis zum Anhalten benötigt. Daher ist es einem Zugführer kaum möglich, beim Auftauchen eines unerwarteten Hindernisses rechtzeitig zu bremsen. Zum Vergleich: Ein Personenwagen kommt bei einwandfreiem Zustand aus der gleichen Geschwindigkeit bereits nach rund 100 Meter stehen.

Blinkende Warnlichter sind stets zu beachten, auch wenn die Schranken noch offen sind und kein Schienenverkehr in Sicht ist. Auch unter einer sich senkenden Schranke darf man nicht noch "durchhuschen", geschweige denn heruntergelassene Halbschranken umfahren. Diese beiden Fehler gelten als häufigste Unfallursachen an Bahnübergängen. Verboten ist es außerdem auf den Schienen anzuhalten. Und für Fußgänger und Radfahrer gilt, Bahnstrecken niemals abseits der dafür vorgesehenen Übergänge zu passieren. Nachdem die Zahl der tödlichen Unfälle an Übergängen seit den fünfziger Jahren konstant abgenommen hatte, verzeichneten die Statistiken in jüngerer Vergangenheit wieder einen Anstieg.

Der Artikel "Schiene versus Straße: Die Bahn hat immer Vorfahrt" wurde in der Rubrik VERKEHR mit dem Keywords "Verkehr, Bahngesellschaften, Eisenbahn, Unfall, Sicherheit" von "Michael Kirchberger" am 17. August 2016 veröffentlicht.

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