Elektromobilität

Kluge Elektro-Fahrer kommen weiter

Die vom Werk angegebenen Reichweiten von Elektroautos wirken im Fahr-Alltag nicht immer realistisch. Sie beziehen sich auf optimale Rahmenbedingungen. Doch der Nutzer selbst kann viel dafür tun, rein elektrisch ziemlich weite Strecken zurückzulegen.


Die vom Werk angegebenen Reichweiten von Elektroautos wirken im Fahr-Alltag nicht immer realistisch. Sie beziehen sich auf optimale Rahmenbedingungen. Doch der Nutzer selbst kann viel dafür tun, rein elektrisch ziemlich weite Strecken zurückzulegen. Der Hersteller Nissan und seine Kooperationspartner geben Tipps, wie man die Kapazität des Akkus bestmöglich ausnutzt.

Die Fahrt in einem Elektroauto wie dem Nissan Leaf macht einfach Spaß, der Elektromotor ist sanft und kraftvoll zugleich. Beim Kickdown kommt der Kompaktwagen ordentlich in die Gänge - und das natürlich ganz ohne Getriebe. Gangschaltung oder Automatik sind beim Elektromotor ja überflüssig. Das Problem ist und bleibt aber die bescheidene Reichweite. Selbst der mit seiner auf 30 kW/h Batterie-Kapazität optimierte Leaf kommt gerade mal 250 Kilometer weit - für ein Elektroauto zwar schon beachtlich, doch bei langen Strecken muss nachgeladen werden. Für City-Touren oder Fahrten zum Arbeitsplatz reicht das aber völlig aus. Wohl dem, der eine Steckdose in seiner heimischen Garage hat und/oder dessen Arbeitgeber ihm einen Stellplatz mit Lademöglichkeit zur Verfügung stellt.

Um auch tatsächlich mit einer elektrischen Vollladung 250 Kilometer weit zu kommen, muss der Elektro-Pilot ein paar Regeln beachten: "Schnellfahrten verbrauchen viel Energie", sagt Daniel Berg, Elektromobilitäts-Experte bei Nissan. Wichtig sei es, auch im richtigen Modus zu fahren, idealerweise in einer Kombination aus Eco-Modus und Einstellung "B", bei der bereits die Rückname des "Gaspedals" eine elektrische Bremsung des Fahrzeugs in Gang setzt. Auch die Nutzung des Tempomats schont Energiereserven, da eine konstante Geschwindigkeit die Batterie entlastet. Vollbremsungen vor Ampeln sind eine unnötige Energievernichtung. Vorausschauendes Fahren und langsames Bremsen per Energie-Rückgewinnung. "One-Pedal-Driving" heißt hier die Zauberformel, sagt der Experte.

Da Heizung und Klimaanlage während der Fahrt ziemliche Stromfresser sind, empfiehlt es sich, das Fahrzeug im Winter schon während des Ladevorgangs aufzuwärmen bzw. im Sommer herunterzukühlen. So kommt der Strom für die Temperierung nicht von der Batterie, sondern aus der Steckdose.

Unterdessen hat sich bei der Batterie-Technik mittlerweile manches getan. "Akku ist nicht gleich Akku", sagt Michel Jansen, Manager Elektromobilität bei Nissan. Wenn an einem modernen Akku mal eine Zelle den Geist aufgebe, müsse nicht mehr gleich die ganze Batterie ausgetauscht werden - zum Vorteil für den Geldbeutel. Auch werde das elektrische Autofahren dadurch alltagstauglicher, da Europa das Netz an Schnell-Ladestationen rasant ausbaue.

Derweil rechnet Kooperationspartner Mobility House mit fallenden Batterie-Preisen. "Durch Serienfertigung werden Kosten für Batterien runtergehen", sagt Geschäftsführer Stefan Ritter. Er sehe überdies im Elektroauto einen wichtigen Kompagnon für die Speicherung Erneuerbarer Energien. Denn um das Unstete, die sogenannte "Volatilität", bei der Energiegewinnung abzufedern, könnten mehrere Elektroautos einen kollektiven Energiespeicher bilden, mit denen etwa Eigenheimbesitzer ihr Haus mit Strom versorgen. Eine voll aufgeladene Elektroauto-Batterie kann laut Nissan ein Einfamilienhaus mehr als zwei Tage lang mit Strom versorgen - oder den Fahrer bis zu 250 Kilometer weiter bringen.

Lars Wallerang

Der Artikel "Kluge Elektro-Fahrer kommen weiter" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Elektromobilität, Fahrbericht" von "Lars Wallerang" am 4. Juli 2016 veröffentlicht.

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