Automobil

Magere Rendite und Mega-Umsatz im Kfz-Gewerbe

Eine große Überraschung gab es 2015 für die rheinland-pfälzischen Unternehmer im Kfz-Gewerbe. Die Verkäufe fielen mit exakt 130.238 Zulassungen rund 8 Prozent höher aus gegenüber dem Vorjahr. Für den Handel zählt allerdings die Umsatzrendite. Diese lag bei gerade einmal 1,4 Prozent.


Eine große Überraschung gab es 2015 für die rheinland-pfälzischen Unternehmer im Kfz-Gewerbe. Die Verkäufe fielen mit exakt 130.238 Zulassungen rund 8 Prozent höher aus gegenüber dem Vorjahr. Für den Handel zählt allerdings die Umsatzrendite. Diese lag bei gerade einmal 1,4 Prozent. Für einen gesunden Kfz-Betrieb wird eine Rendite von rund 3 Prozent benötigt, um dauerhaft am Markt bestehen zu können. Schuld sind laut Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz, viele Eigenzulassungen. Diese seien Renditekiller.

"Der Privatier, der in einen Kfz-Betrieb geht und dort ein neues Fahrzeug kauft, ist in der Minderheit. Wurden 2010 noch 43 Prozent aller Autokäufe von Privatkunden getätigt, waren es 2015 nur noch 34 Prozent - das sind bundesweite Zahlen, die aber auch auf Rheinland-Pfalz zutreffen", sagt Norren im Rahmen der Jahrespressekonferenz des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Mainz. Mehr als 65 Prozent der Zulassungen entfallen auf gewerbliche Fahrzeughalter. Zieht man davon die Eigenzulassungen von zirka 30 Prozent ab, bleiben nur noch 35 Prozent der Verkäufe an Firmenkunden. Somit hat der Firmenkundenmarkt den Privatmarkt mittlerweile überholt.

Bei der Radiowerbung werden laut Hans Werner Norren von den Automobilherstellern mittlerweile immer mehr Gewerbetreibende angesprochen. Er muss es wissen, ist er doch selbst seit 1980 Ford Vertragspartner in Weißenthurm. Was viele nicht wissen: Jeder abgeschlossene Leasingvertrag zählt zu den Gewerbekundenzulassungen, weil das Fahrzeug auf eine Leasinggesellschaft angemeldet wird. Und: jeder fünfte Neuwagen wird heutzutage geleast.

"Die Eigenzulassungsquote ist in 2015 um über 8 Prozent im Vergleich zu 2014 gestiegen. Das ist ein besorgniserregender Wert für die Kfz-Branche. Diese Fahrzeuge werden als junge Gebrauchte mit hohen Rabatten auf den Markt gebracht. In Zahlen: Fast 40.000 Fahrzeuge, die 2015 in Rheinland-Pfalz neu zugelassen wurden, gehen auf das Konto der Hersteller und Händler", sagt Norren. "Es kann nicht davon die Rede sein, dass die Fahrzeugpreise in Deutschland in den letzten Jahrzehnten übermäßig angezogen haben. Sie stiegen im gleichen Maße wie das Einkommen der Bürger. Im Durchschnitt kostet ein Neuwagen heute 28.500 Euro."

Zum VW-Abgasskandal fordert Kfz-Landesverbandsgeschäftsführer Jens Bleutge die Politik auf, die Endrohrmessung bei der regelmäßigen Abgasuntersuchung als grundsätzliche Ergänzung zum digitalen Auslesen des Fahrzeuges verpflichtend zu machen. Das Auslesen des On-Bord-Diagnose-Systems reiche nicht aus. Bleutge: "Entscheidend ist nicht, was die verbaute Messtechnik misst, entscheidend ist, was hinten raus kommt". (Anmerkung der Redaktion: Dieses Zitat stammte ursprünglich von Altkanzler Helmut Kohl.)

Das Bundesverkehrsministerium ist jetzt zur Nachrüstung gefragt. Das Kfz-Gewerbe ist zuversichtlich, nur dauere der Prozess noch an. Wenn die AU-Anerkennung kommt, müssen alle Betriebe nachrüsten. Dann kommen auch höhere Kosten auf die Kunden zu. Diese halten sich laut Jens Bleutge allerdings im Rahmen. Und versichert, dass kein Kfz-Betrieb an einer AU Geld verdient.

Bei den VW-Kunden hat sich laut Umfragen bisher bei 83 Prozent keine negative Kaufentscheidung eingeschlichen und rund 74 Prozent vertrauen dem Hersteller weiter, so der Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Die Prognose für 2016: Der Privatmarkt geht weiter zurück und die Gewerbezulassungen steigen. Verstärkt werden jetzt Schutzsuchende und Asylanten im Kfz-Gewerbe integriert. Problematisch ist hier laut Präsident Hans Werner Norren nur eine Tatsache: Die mangelnden Deutschkenntnisse. Eine professionelle Ausbildung funktioniert nicht ohne die Beherrschung der Deutschen Sprache. Es gibt in seinem Betrieb täglich 3-4 Stunden Deutschunterricht.

Der Artikel "Magere Rendite und Mega-Umsatz im Kfz-Gewerbe" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Automobil, Handel, Wirtschaft, Autokauf, Autoleasing, Automarkt" von "Jutta Bernhard" am 17. März 2016 veröffentlicht.

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