Statistik

Pkw-Bestand: Charles Darwin und die Autoindustrie

Anpassen oder aussterben: Auf diesen einfachen Nenner brachte Charles Darwin in seiner Evolutionstheorie die Notwendigkeit des Wandels. Und das Prinzip des ''Survival of the fittest'' trifft auch auf die Automobilindustrie zu, wie die jetzt erschienene Statistik zum Fahrzeugbestand in Deutschland verdeutlicht. Für MG Rover, Lancia und Daihatsu gehen langsam die Lichter aus, bei Jeep und Dacia dagegen geht es steil bergauf.

Anpassen oder aussterben: Auf diesen einfachen Nenner brachte Charles Darwin in seiner Evolutionstheorie die Notwendigkeit des Wandels. Und das Prinzip des "Survival of the fittest" - nur die Besten kommen durch - trifft auch auf die AutomobiliIndustrie zu, wie die jetzt erschienene Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zum Fahrzeugbestand in Deutschland verdeutlicht. Für MG Rover, Lancia und Daihatsu gehen langsam die Lichter aus, bei Jeep und Dacia dagegen geht es steil bergauf.

Der Pkw-Bestand in Deutschland ist 2015 um 1,5 Prozent bzw. 668.000 Fahrzeuge auf 45,07 Millionen Autos am Stichtag 1. Januar 2016 angestiegen. Die Entwicklungen bei den verschiedenen Marken aber ist sehr uneinheitlich. Wie im "wahren Leben" gibt es auch hier Gewinner und Verlierer.

Die größten Zuwächse verzeichnen Jeep mit plus 13,5 Prozent auf 81.948 Fahrzeuge, Dacia mit plus 12,9 Prozent auf 383.289 Pkw und Hyundai mit plus 10,2 Prozent auf jetzt 939.195 Autos. Ebenfalls starke Zuwächse gibt es bei Land Rover (+ 9,6 Prozent; 88.034 Fahrzeuge), Porsche (+ 9,5 Prozent; 257.070 Fahrzeuge) und Mini (+ 9,1 Prozent; 346.403 Fahrzeuge).

Was auffällt: Unter den sechs Top-Gewinnern finden sich drei Marken - wie schon im Vorjahr -, die zu einem erheblichen Teil bzw. ausschließlich die angesagten SUV anbieten und sich in den vergangenen Jahren sichtbar gewandelt haben. Jeep kommt unter der Leitung von Fiat Chrysler in Deutschland richtig in Fahrt. Ein neues Einstiegsmodell mit dem Renegade, eine verbesserte Verarbeitungsqualität statt Hartplastik-Wüste und schon brummt das Geschäft. Land Rover - seit 2012 wie Jaguar mit frischem Geld von Tata - surft sehr erfolgreich die SUV-Welle und der Sportwagenbauer Porsche verkauft mittlerweile mehr SUV als 911er und Boxster. Kurzum: Anpassung führt zum Erfolg.

Das gilt prinzipiell auch für Hyundai. Die Koreaner haben sich binnen eines Jahrzehnts vom Billiganbieter zur Designmarke entwickelt, ebenso wie die Konzernschwester Kia, die übrigens ebenfalls um 7,0 Prozent beim Bestand zugelegt hat. In diese Lücke stieß Dacia: Die Renault-Tochter bietet akzeptable Qualität zum Kampfpreis und wächst seit Jahren im zweistelligen Prozentbereich. Und Mini? Hier lautet der Schlüssel zum Erfolg offenbar: Retro-Welle - der Fiat 500 lässt grüßen. Dazu gibt es seit der neuen Generation Dreizylinder, auch hierhin geht der Trend.

Die größten Verlierer in der Bestandsliste des KBA heißen MG Rover (-10,6 Prozent; 37.772 Autos), Lancia (-8,5 Prozent; 39.214 Autos) und Daihatsu (-7,7 Prozent; 102.154 Autos). Hier ist die Anpassung offenbar weniger gut geglückt. MG hat die Wende weder unter der Leitung von Ford, noch seit 2008 unter dem Dach von Tata Motors (zumindest in Europa) geschafft. Die Modelle waren nicht mehr zeitgemäß und es sieht so aus, dass die britische Traditionsmarke in Deutschland nach und nach ausstirbt.

Lancia - ebenfalls mit ruhmreicher Vergangenheit - ist so etwas wie das Stiefkind im FCA-Konzern. Das Umlabeln von Chrysler und Fiat-Modellen war ein offenbar letzter missglückter Versuch der Wiederbelebung, der 2014 in der Ankündigung der schrittweisen Einstellung (bis auf das Modell Y in Italien) mündete. Und Daihatsu? Die Japaner konzentrieren sich fast ausschließlich auf die in Japan durchaus populären "Kei-Cars", die im europäischen Markt aber bis heute nicht angekommen sind. Und Kleinstwagen haben mittlerweile auch fast alle anderen Autobauer im Angebot. Resultat: Im Januar 2013 wurde der Neuwagen-Vertrieb in Europa eingestellt. Und so zeigt die Bestandsliste des KBA - Charles Darwin hat es immer gewusst - wer sich am besten anpasst, überlebt - auch in der Autobranche.

Der Artikel "Pkw-Bestand: Charles Darwin und die Autoindustrie" wurde in der Rubrik LAGER & TRANSPORT mit dem Keywords "Pkw, Statistik" von "Thomas Schneider" am 7. März 2016 veröffentlicht.

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