Kompakter

Von Kombi-Kompetenz zur Sports Tourer-Kultur

Zuverlässig, vielseitig einsetzbar, bequem und elegant wie eine Limousine und aktuell mit Lebensgefühl-Faktor: Der Kombi ist seit Jahrzehnten Sinnbild für diese Opel-Tugenden. Unter den Bezeichnungen Caravan und seit 2010 als Sports Tourer treten die freundlichen Lastesel auf. Und der neue Astra Sports Tourer mobilisiert außerdem den Zeitgeist der unabhängigen Mobilität.

Zuverlässig, vielseitig einsetzbar, bequem und elegant wie eine Limousine und aktuell mit Lebensgefühl-Faktor: Der Kombi ist seit Jahrzehnten Sinnbild für diese Opel-Tugenden. Unter den Bezeichnungen Caravan und seit 2010 als Sports Tourer treten die freundlichen Lastesel auf. Mit ihnen werden Handwerks-Geräte oder kleineres Stückgut, aber auch Familien und die Freude an Freizeit und Urlaub bewegt. Und der neue Astra Sports Tourer mobilisiert außerdem den Zeitgeist der unabhängigen Mobilität. Die Verbindung bester Alltagseigenschaften mit der Möglichkeit, zu jeder Zeit aufzubrechen, gehört nicht zufällig zum Opel-Charakter.

Denn Opel hat früh entdeckt, welche Möglichkeiten sich mit dem Kombinieren verschiedener Auto-Talente eröffneten. So entstanden zwischen den großen Kriegen auf der Basis von Serien-Opel etliche Kombinationskraftwagen. Kleine Spezialunternehmen bauten Aufsätze, geschlossene Kabinen oder offene Ladeflächen, wie zum Beispiel für den 10/30-Opel von 1922. Damit wurden die Familienautos unter der Woche zu Lieferwagen für Handwerker oder Bäcker oder Brauereien.

Ein pfiffiger Gedanke, der den Kombis zum Durchbruch verhalf und Anfang der 1950er-Jahre mit dem Opel Olympia Caravan frischen Schwung in die Opel-Modellfamilie brachte. Erst als geschlossener "Schnell-Lieferwagen" für die Gewerbe des Wirtschaftswunders und dann als Caravan mit Fenstern hinten und komfortablem Platz für die Familie mit Gepäck. Die Minivans oder SUVs waren damals noch nicht erfunden.

Schnell entwickelte sich der Kombi nach dem Zweiten Weltkrieg zum Liebling der deutschen Familien. Wer es sich leisten konnte, verschmähte die engen Heckmotorwagen. Und Opel war von Anfang an dabei. Wobei die Opel Caravan nicht nur in der teureren Rekord-Mittelklasse als Ferienexpress zum Gardasee dienten. Denn Opel hatte rasch erkannt, dass Kombis auch im kleineren Format für Handwerker und Familien die große Lösung für den alltäglichen Transport waren. Schnell entwickelte sich daraus eine kompaktere Kombi-Kultur, die sofort auf den Bestseller Kadett der ersten Stunde von 1962/63 übertragen wurde. Aus der schlanken Limousine mit Stufenheck ging der schnittige Caravan mit dem geräumigen Heck hervor. Die Multi-Limousine für alle und fast alles war erfunden.

Dieser Kadett A Caravan ist der erste Vorläufer für jenen neuen Opel, der im März 2016 wieder die Maßstäbe im Segment der kultivierten Mehrzweck-Limousinen setzt: Der neue Astra Sports Tourer folgt 53 Jahre später in der direkten Linie des ersten kompakten Caravans. Natürlich mit dem versammelten Fortschritt in der Autotechnik 2016. Und mit der gebündelten Kombi-Kompetenz von Opel, die sich über sechs Jahrzehnte hinweg auch in der kompakten Klasse entwickelte. Besonders spürbar ist sie dort, wo es um Raumausnutzung, pfiffige Details und den gewohnten Limousinen-Komfort geht.

Wie im ersten Kadett Caravan ist schon der äußere Auftritt ein Hinweis auf die inneren Eigenschaften. Beim neuen Astra Sports Tourer sorgt die längere Dachkontur für den fließenden Verlauf der gesamten Karosserie, unterstrichen von dem Design-Stilmittel der eleganten Zierleiste über den Seitenfenstern aus der A-Säule bis hinein in den Heckabschluss. Etwas Erinnerung an einstige Eleganz darf wohl sein.

Vielleicht kann der erste Kadett Caravan sogar als Erfinder der Dachreling gelten, damals als Gepäckträger ausgeformt. Aber schon niedrig konstruiert, mit dem zierlichen Metallgebälk, und flach aufliegend, mit drei Querträgern für die Galeriestreben auf der gesamten Dachfläche anwesend. Im Innenraum zeigt der erste Nachkriegs-Kadett seine praktischen Talente: Zwei Einzelsitze vorne, der Tacho signalisiert per Drehwalze auf dem Zahlenband je nach Tempo unterschiedliche Farben, eine klare Gestaltung dominiert. Aber alles ist am richtigen Platz für den Fahrer und im puristischen Stil gehalten, vor sechzig Jahren konzentrierten sich die Ansprüche auf eine gut arbeitende Heizung.

Hinten auf der Sitzbank, am besten für zwei, waren die Kinder für die damaligen Verhältnisse wohl aufgehoben und dazu gab es in der seitlichen Fensterfront je ein praktisches Schiebefenster. Die vorderen Sitze waren der Bereich der Eltern und hinter der Rücksitzbank erstreckt sich der Kofferraum, leicht zu bestücken über die Caravan-Öffnung: Etwa achtzig Zentimeter hoch und 112 Zentimeter breit ist das Tor im Heck des Kadett. Ein klarer Vorteil des Caravan gegenüber der Limousine.

Weit schwingt die Klappe nach oben, bis auf Stehhöhe, ein guter Schutz gegen Regen beim Beladen. Zwei Zapfenverschlüsse sichern die massive, ungeteilte Lehne der Rücksitzbank, sie dient gleichzeitig zur Sicherung der Ladung. Mit einem energischen Ruck lassen sich die Zapfen an den oberen Ecken der Lehne aus dem Verschluss lösen, und nach dem Umklappen entsteht eine durchgehend ebene Ladefläche mit der respektablen Tiefe von circa 170 Zentimetern: Bei einer Kadett-A-Gesamtlänge von 3,92 Metern. Mit aufrecht stehender Lehne ist der Kofferraum 91 Zentimeter tief und innen 73 Zentimeter breit, in Fahrtrichtung links steht das per Gurt gesicherte Reserverad, rechts ist der 33-Liter-Tank. Der reichte dem Ein-Liter-Vierzylinder für fast 400 Kilometer. Der gesamte Laderaum verzichtet auf unzugängliche Ecken oder störende Vorsprünge, man kann ihn ohne großen Aufwand immer besenrein halten. Denn der Caravan war so ordentlich wie der gesamte Kadett. Seine Ladekante liegt nur 58 Zentimeter über der Straße, da war gut Einladen oder flott Reinspringen: In zeitgenössischen Prospekten sind immer Hunde mit an Bord.

Der erste Kadett Caravan brachte nur 735 Kilo auf die Waage, aber man durfte ihn mit gut 450 Kilo belasten. Und die Familien in den 1950er Jahre waren alle noch leichtgewichtiger. Die körperlichen Folgen des kulinarischen Wirtschaftswunders belasteten erst später. Vom ersten Opel Kadett Caravan wurden 126.616 Exemplare gebaut und dies belegt, dass familientaugliche Kombis auch in der kompakten Klasse gefragt waren. Er kam zunächst wie die Limousine mit zwei Seitentüren und niemand erregte sich darüber. Allerdings bot dann der Kadett Caravan schon ab 1967 vier Seitentüren plus Klappe im Heck.

Wie die ersten Kompakt-Kombis trugen ihre Nachfolger bis 2010 den Caravan-Traditionsnamen. Aber die Vielzweck-Mobile hatten sich in Technik und Ansprüchen längst von dieser Historie entfernt. Im Kern folgten zwar auch die neuen Lademeister den bewährten Inhalten, aber der modernere Name wurde zum Programm der neuen Frische: Opel Astra Sports Tourer klingt nach Ferne und Aufbruch und nach der Freiheit auf Rädern.

Aus den kompakten Freunden des unangestrengten Transports wurden als Sports Tourer großzügige Helfer des Alltags, egal ob es um Stühle vom Möbelmarkt, um Weinkisten vom Winzer oder um die Unterbringung der Outdoor-Ausrüstung ging. Der kleine Unterschied zur Limousine wurde zum großen Argument und Deutschland wuchs zum europäischen Kombimarkt.

Mit dem neuen Astra Sports Tourer stärkt Opel seine intelligente Kombi-Kompetenz. High-Tech für hohe Transportansprüche: Im Gepäckraum setzt der Sports Tourer 2016 die Rekordmarken: 540 bis 1.630 Liter werden für das Stauvolumen notiert. Und die Motoren sorgen für niedrige Verbräuche und hohe Geschwindigkeiten, wenn es denn sein darf. Schnell genug für einen Aufbruch zu jeder Zeit. Immer, wenn es der Astra-Fahrer will.

Wolfgang Peters

Der Artikel "Von Kombi-Kompetenz zur Sports Tourer-Kultur" wurde in der Rubrik AKTUELLES mit dem Keywords "Kompakter, Kombi, Historie, Neuheit" von "Wolfgang Peters" am 24. Februar 2016 veröffentlicht.

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