25 Jahre BMW-Driving-Experience: Am Gletscher geht was quer

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Martin Tomczyk fährt das BMW M6-Safety Car. Foto: Auto-Medienportal.Net/Axel Busse

2016-02-01 Machu Picchu, die ebenso berühmte wie sagenumwobene Ruinenstadt in den peruanischen Anden, liegt 2360 Meter über dem Meeresspiegel. Noch fast einen halben Kilometer höher brummen jeden Januar rund zwei Dutzend BMW-Motoren. Und das seit 25 Jahren. Die Ötztaler Gletscherstraße gehört zu den spektakulärsten Auffahrten der Tiroler Bergwelt. An oberen Ende gibt es einige Superlative zu bestaunen: der höchstgelegene Parkplatz, der höchstgelegene Straßentunnel der Alpen. Und das höchstgelegene Pkw-Trainingsgelände der Welt.


Mit einem schlichten Handschlag hat sich BMW dieses Unikum vor zweieinhalb Jahrzehnten gesichert. Josef Bücherl war damals Leiter der ,,Fahrerschule" von BMW, jener Einrichtung, die er 1977 mit aus der Taufe gehoben hatte und die mittlerweile als ,,BMW Mini Driving Experience" firmiert. Damals wie heute geht es bei den zahlreichen Schulungsangeboten um das Optimieren fahrerischen Könnens, sei es das souveräne Beherrschen des Fahrzeugs auf Eis und Schnee oder das sichere Chauffieren von VIPs aus möglichen Gefahrenzonen. Die Wirkungsweise unterschiedlicher Reifenarten kann man ,,erfahren" und die korrekte Montage von Schneeketten üben. Josef Bücherl und der Söldener Hotelier Hans Falkner verabredeten damals das, was heute mehr als 1000 Teilnehmer pro Winter ins Ötztal lockt.

Der ehemalige Polizist ist das Urgestein der Driving-Experience. Seine fast 85 Jahre halten ihn nicht davon ab, auch diesen Winter wieder in Sölden dabei zu sein. Gern erzählt er von den vorsichtigen Anfängen des Kursbetriebs und manch Anekdote illustriert anschaulich den Informationsbedarf einzelner Teilnehmer in den ersten Jahren. ,,Einer hatte seine Schneeketten am 3er-BMW an der Vorderachse aufgezogen", grinst er, ,,ein anderer versuchte einmal, mit einem Trichter Diesel in seinen Benzintank zu füllen".

Bis zur Einrichtung der Übungsplätze an Tiefenbach- und Rettenbachgletscher gab eine präparierte Wiese im Zillertal den Schauplatz der Fahrübungen ab. Die Verlegung um rund zwei Kilometer in der Vertikalen versprach nicht nur mehr Schnee- und Frostsicherheit, Instruktoren und Teilnehmer mussten sich auch auf technische Veränderungen einstellen. Die 3er-BMW, seinerzeit das Standard-Fahrzeug für die Brems-, Slalom- und Steigungs-Exerzitien, hatten aufgrund des geringeren Luftdrucks in der Höhe plötzlich deutlich weniger Leistung. ,,Die Minderung kann durchaus 20 Prozent betragen", sagt Karl-Heinz Müller, der in diesem Winter der Einsatzleiter der Driving-Experience in Sölden ist. Dem Modell M3 der Baureihe E30 zum Beispiel, ab Werk mit 195 PS versehen, standen auf der Gletscherhöhe plötzlich weniger als 160 PS zur Verfügung.

Der Freude am quer Fahren tat dies keinen Abbruch, denn der Hinterradantrieb machte es leicht, das Auto ins Übersteuern zu bringen und durch geschickte Gegenlenkbewegungen auf Kurs zu halten. Wie das in Perfektion aussieht, zeigte zur Jubiläums-Veranstaltung DTM-Pilot Martin Tomczyk im BMW M6. Aber auch Nicht-Profis erlernen unter der fachkundigen Anleitung der Instruktoren schnell, das richtige Gefühl für das Zusammenspiel von Gaspedal und Lenkbewegungen aufzubringen. ,,Driften ist nicht mehr als kontrolliertes Übersteuern", gibt Instruktor Florian Wimmer den Teilnehmern mit auf den rutschigen Weg. Während die Fahrer und Fahrerinnen sich angestrengt am Lenkrad warm kurbeln, gibt er über Funk Anweisungen, verteilt Lob und tröstet, wenn der Wagen nicht in die Richtung läuft, die er soll.

Heute ist Leistungsverlust in der Höhe kein Thema mehr, da die durchweg per Turbolader zwangsbeatmeten Motoren stets ausreichend Sauerstoff für eine perfekte Verbrennung bekommen. Während die aktuellen Inhalte des Trainings ganz auf die Grundlagen der Fahrphysik und der Beherrschung des Autos konzentriert sind, bestand das Programm in den ersten Jahren noch zu einem wesentlichen Teil aus Wintersport. ,,Drive and Ski" lautete der Slogan, unter dem die teils einwöchigen Reisen offeriert wurden. Drei Tage lang schlitterten M3 und später 325ix um die Pylonen, drei weitere Tage waren fürs Pistenvergnügen auf den ,,Brettln" reserviert. Heute folgt auf ein kurzes technisches Briefing nur noch Praxis am Steuer. Dass es dabei nicht gar so bierernst zugeht, dafür sorgen Müller und seine Kollegen. ,,Ohne Spaß nutzt die ganze Veranstaltung nichts", weiß der Instruktor aus Erfahrung.

Rund 30 000 Quadratmeter Fläche stehen für die unterschiedlichen Übungen zur Verfügung. Außer den 3er- und 5er-Modellen mit Hinterradantrieb kommen auch Fahrzeuge der X-Baureihen zum Einsatz, die konzeptbedingt ein differenzierteres Handling verlangen. Die Wirkungsweise des elektronisch geregelten Allradantriebs kann auf Steigungs- und Gefällstrecken sowie auf abgestecktem Parcours in sicherer Umgebung ausprobiert werden. Die beiden planierten und aufbereiteten Areale sind durch den Rosi-Mittermaier-Tunnel verbunden, den James-Bond-Fans inzwischen aus dem neuesten Streifen ,,Spectre" kennen. Bei schönem Wetter konkurriert das Fahrerlebnis mit dem atemberaubenden Bergpanorama zwischen Murkarspitze, Gaislachkogel und Timmelsjoch.

Zwar sichern langfristige Vereinbarungen mit den zuständigen Behörden sowie der Bergbahn-Gesellschaft - wo ebenfalls die Familie Falkner das Sagen hat - den Bestand der Driving-Experience in Tirol, jedoch bleibt der Wandel der natürlichen Voraussetzungen dem Auge nicht verborgen: ,,Als wir anfingen", sagt Karl-Heinz Müller und blickt nachdenklich gen Süden in Richtung Schwarze Schneid, ,,waren die beiden Bergspitzen dort drüben noch nicht zu sehen". Das Gletschereis hat - wie anderswo auch - über die Jahre an Substanz eingebüsst, das ist unübersehbar.

Wintertraining kann man mit der BMW Driving Experience nicht nur in Sölden erleben. Auch im nordschwedischen Arjeplog, nahe dem Polarkreis, werden Fahrerkurse angeboten. Das Publikum ist ebenso international wie die Instruktorenriege, zu der beispielsweise ,,Rallye-Professor" Rauno Altonen gehört. Wer es lieber etwas wärmer hat, findet ohne Probleme passende Ziele. Namibia zum Beispiel. Eine russische Gästegruppe hat die Tour im Südwesten des afrikanischen Kontinents schon zehn Mal hintereinander gebucht. Die Pkw- und Motorrad-Veranstaltungen sind mittlerweile zum ,,big business" geworden: Rund 26 000 Teilnehmer stiegen 2015 weltweit mit den unterschiedlichsten Absichten in ein BMW-Übungsfahrzeug. Niedrige drei- bis hohe vierstellige Beträge lassen sie sich die professionelle Unterweisung am Steuer kosten.

Besonders beliebt sind die Trainingsangebot auf Rennstrecken, wobei die Nordschleife des Nürburgrings jedes Jahr auf Neue ihren Sonderstatus zementiert. Manchmal sind die Kurse schneller ausgebucht als die Popkonzerte von Superstars. Von der Freischaltung eines Online-Angebots bis zur Buchung des letzten Platzes vergingen zuletzt gerade mal neun Minuten. (ampnet/afb)


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