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Elektro-Trucks im Vorwärtsgang

Über Elektromobilität redet jeder. Auch in der Nutzfahrzeug-Branche, die mit Hochdruck elektrische Antriebe für Omnibusse, Transporter und Trucks entwickelt. Erste Lösungen sind im Nahverkehr greifbar, deshalb hat sich der Motor-Informations-Dienst (mid) mal etwas genauer umgesehen.

5Elektro-Trucks im Vorwärtsgang
mid Groß-Gerau - Konkreter Kundeneinsatz: Neuzugang Volvo FE Electric fürs Abfallwirtschaftsamt München. Volvo Trucks


Über Elektromobilität redet jeder. Auch in der Nutzfahrzeug-Branche, die mit Hochdruck elektrische Antriebe für Omnibusse, Transporter und Trucks entwickelt. Erste Lösungen sind im Nahverkehr greifbar, deshalb hat sich der Motor-Informations-Dienst (mid) mal etwas genauer umgesehen.

Größtenteils waren es Verlautbarungen und Willensbekundungen, manchmal konnte man erste Exponate - und noch seltener - fahrfähige Exemplare sehen. Anders als in der Pkw-Branche, wo man über ein 150-prozentiges Zulassungsplus bei den Elektrofahrzeugen spricht, fehlten bei den Lkw bislang konkrete Angebote. Aber jetzt ballen sich die Nachrichten um elektrische Lkw, manche Modelle gehen sogar bereits in den Kundeneinsatz.

Wie beispielsweise der Volvo FE Electric in kommunalorange, der bei der Münchner Abfallentsorgung seinen Dienst versieht. Ein Dreiachser, der an Wertstoffhöfen und in Industrieunternehmen Wechselbehälter schultert und entleert. Reine Nahverkehrslogistik, die mit einem Batteriepaket von 200 Kilowattstunden (kWh) rund 120 Kilometer weit reichen soll. Inklusive der elektrohydraulischen Aufbaubedienung, die man bei diesem Fahrzeugkonzept nicht vernachlässigen darf. Damit wird nicht nur CO2 gespart, im städtischen Gebrauch reduziert der elektrische Antrieb der Aufbaufunktionen die Lärmemission ganz erheblich.

Auch der Marktführer Daimler Trucks kann mit Erfolgsmeldungen aufwarten. Gerade erst hat eine Fach-Jury die elektrischen Lkw-Konzepte eActros und GenH2 Truck mit dem "2021 Truck Innovation Award" ausgezeichnet. Der Batterie-elektrische eActros, den der Hersteller bei ausgewählten Kunden intensiv erproben lässt, zielt als Solofahrzeug mit einer Reichweite von 200 Kilometern vor allem auf den schweren Verteilerverkehr. Sein Serienstart ist für 2021 geplant, er soll neben den Dieselkollegen im Werk Wörth vom Band laufen.

Es soll auch eine batterieelektrische Lkw-Variante für planbare schwere Linieneinsätze geben, für bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht und mit Reichweiten bis zu 500 Kilometern. Für den Fernverkehr präferieren die Daimler-Strategen eine Brennstoffzellen-Lösung mit dem Arbeitstitel GenH2 Truck. Die Reichweite der mit tiefkaltem Wasserstoff betriebenen Lkw soll tausend Kilometer und mehr betragen. Ihre Kundenerprobung ist Stand heute für das Jahr 2023 geplant, der Serienstart soll in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erfolgen.

Seit 2018 sind auch etliche eTGM von MAN in der Kundenerprobung unterwegs. Die 360 PS starken Dreiachser rollen für neun österreichische und einige deutsche Unternehmen, die 27-Tonner werden im oberösterreichischen MAN-Werk Steyr gefertigt. Die von elektrischen PSM-Zentralmotoren (PSM = Permanent erregter Synchronmotor) angetriebenen Lkw werden mit zwölf NMC-Batteriepacks bestückt und sollen mit 185 kWh verfügbarer Kapazität etwa 200 Kilometer weit kommen.

Einen Schritt weiter scheint die schwedische Konzernschwester Scania zu sein. Sie geht mit dem Batterie-elektrischen Lkw-Novizen Scania BEV (= Battery Electric Vehicle) an den Start. Der 400 PS starke Solo-Lkw fürs Nahverkehrsgeschäft kann mit verschiedenen Fahrerhäusern, Achskonfigurationen und mit modularen Akkupaketen ausgestattet werden, als Zwei- oder Dreiachser für Verteiler- oder Kommunaljobs. Die Batterie-Maximalbestückung mit 300 kWh bringt ihn bis zu 250 Kilometer weit. Seine Systemkomponenten stammen übrigens aus dem gleichen Konzern-Regal (Traton), in das auch MAN greift.

Auch bei Iveco in Ulm genießt das Thema Elektromobilität hohe Priorität. Auch wenn der amerikanische Partner Nikola wegen angeblich mangelnder Kompetenz zuletzt etwas ins Gerede kam. Gerrit Marx, der Iveco-CEO hält dennoch fest am beschlossenen Fahrplan und kündigt die ersten Nikola Tre fürs vierte Quartal 2021 an. Zuerst die Batterie-elektrischen Trucks auf Iveco-Basis, die mit maximal 720 kWh Kapazität und 480 Kilowatt Leistung fernverkehrstauglich sein sollen. Die Brennstoffzellen-Fahrzeuge sind erst für Ende 2023 avisiert.

Wenn es um elektrisch angetriebene Lkw geht, darf Renault Trucks nicht fehlen. Die Franzosen, mittlerweile sind sie Teil des Volvo-Konzerns, haben auf diesem Gebiet erhebliche Pionierarbeit geleistet. Sie verfügen über ein kleines BEV-Produktportfolio, das sie seit Jahren am Heimatmarkt anbieten. Diese Batterie-elektrischen Fahrzeuge mit 3,1 bis 26 Tonnen Gesamtgewicht tragen die Renault-typische Zusatzbezeichnung ZE.

Sie fokussieren mit Kapazitäten von 66 bis 396 kWh vor allem auf die Güterdistribution und auf kommunale Aufgaben und sollen es bis zu 400 Kilometer weit schaffen. Jetzt übrigens auch in Deutschland: Die anstehende Transformation bietet den Strategen der Marke die Chance, die Renault-Raute besser zu positionieren.

Wolfgang Tschakert / mid

Der Artikel "Elektro-Trucks im Vorwärtsgang" wurde in der Rubrik NFZ & FUHRPARK mit dem Keywords "Lkw, Bus, Truck, Elektromobilität, Vergleich, Nutzfahrzeuge" von "Wolfgang Tschakert" am 8. Dezember 2020 veröffentlicht.

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