Fahrbericht Fiat Doblo: Der billigere Kompakt-Van

Fiat Doblo

2010-07-15 mid Düsseldorf - Die preiswerteste Art, eine Familie und viel Gepäck zu transportieren, ist ein zum Pkw hochgerüsteter Kleintransporter. Bislang boten diese Autos vom Schlage eines Fiat Doblo jedoch nur rauen Nutzfahrzeugcharme. Trister Innenraum und holperiges Fahrverhalten gehören bei der neuen Generation des geräumigen Italieners jedoch der Vergangenheit an. Zu Preisen ab 19 500 Euro steht die Version mit dem langstreckentauglichen 1,6-Liter-Dieselmotor beim Händler.

Preislich hatten die sogenannten Hochdachkombis gegenüber "richtigen" Kompakt-Vans nach Muster des VW Touran immer schon die Nase vorn. Allerdings waren ihnen die gewerblichen Gene deutlich anzumerken: Nutzwert ging sowohl innen als auch außen vor Ästhetik, das Fahrwerk war in der Regel eher auf den Transport schwerer Europaletten als auf den von komfortbedürftigen Insassen ausgelegt. Auch beim Thema Sicherheit wurde gespart, um Handwerker und Spediteure mit möglichst geringen Grundpreisen locken zu können. Beim neuen Doblo ist das alles anders: Frische Farben und schöne Materialien sorgen im Innenraum für wohnliches Ambiente, statt Starrachse gibt es an der Hinterachse eine aufwendige Einzelradaufhängung. Selbst der in dieser Fahrzeugklasse oft nicht einmal gegen Aufpreis angebotene Schleuderschutz ESP ist ohne Extrakosten an Bord.

Ganz verleugnen kann der Doblo seine Herkunft aber nicht. Neben den als Pkw entwickelten Kompakt-Vans wirkt das Karosseriedesign etwas wuchtig und schmucklos - eben wie bei einem Lieferwagen. Beim Fahrverhalten gibt sich der Fronttriebler zwar gutmütig und komfortabel, steuert aber etwas schwerfällig und leicht schwammig um die Kurve. Viele moderne Vans können das besser. Auch bei der Geräuschdämmung kann der Fiat nicht mithalten; der Dieselmotor ist im Inneren stets gut zu vernehmen.

Fast konkurrenzlos sind aber die inneren Werte. 790 Liter Gepäck passen ins Heck des Fünfsitzers; beladen wird wahlweise über eine Heckklappe oder Flügeltüren. Wird die Fondbank weggeklappt, sind es 3 200 Liter. Das reicht für Großeinkauf, Möbelhaus-Besuch und Umzug in Einem. 600 Kilo dürfen Koffer, Taschen und Einkäufe wiegen, bevor der Italiener in die Knie geht. Und auch die Passagiere erfreuen sich eines komfortablen Raumangebots. Fahrer und Beifahrer haben seitlich mehr Bewegungsfreiheit als in einer Oberklasselimousine, die Passagiere der zweiten Reihe könnten dank des hohen Daches Zylinder tragen. Zwei seitliche Schiebetüren bieten ihnen auch in engen Parklücken einen bequemen Einstieg. Ein paar kleine Schwachpunkt gibt es aber doch: So lässt sich die Rücksitzbank zwar wegklappen, aber nicht komplett ausbauen, daher kostet sie in jedem Fall Laderaum. Außerdem könnten die Sitze etwas straffer, stärker ausgeformt und mit längeren Oberschenkelauflagen versehen sein.

Das Motorenprogramm wird Nutzfahrzeug-typisch von Dieselmotoren bestimmt. Beste Wahl ist dabei der mittlere Selbstzünder mit 77 kW/105 PS, dessen Leistung in allen Lebenslagen ausreicht und der mit 5,2 Litern Normverbrauch relativ sparsam unterwegs ist. Darüber rangiert ein 2,0-Liter-Diesel mit 99 kW/135 PS, der mit der höchsten Ausstattungslinie zwangsgekoppelt und daher recht teuer ist. Außerdem gibt es einen 66 kW/90 PS starken 1,3-Liter-Diesel sowie einen 1,4-Liter-Benziner mit 70 kW/95 PS. Beide sind aber für das immerhin 1,4 Tonnen schwere Auto etwas zu schwachbrüstig. Immer an Bord ist eine Start-Stopp-Automatik, die jedoch nicht ganz ausgereift scheint: Tritt der Fahrer beim Ampelstart die Kupplung, benötigt sie häufig eine Gedenksekunde, bis sie das Triebwerk wieder anwirft.

Der Preis von 19 500 Euro für den Diesel-Doblo ist bereits im Vergleich mit anderen Hochdachkombis wie Renault Kangoo oder Citroen Berlingo relativ günstig. Stellt man dem Fiat einen Kompakt-Van gegenüber, wird die Differenz riesig. Ein mit ähnlich starkem Motor ausgestatteter VW Touran kostet knapp 25 000 Euro, ein Ford C-Max immerhin noch gut 23 000 Euro. Ausstattungsbereinigt wächst der Preisvorteil noch einmal, denn der mittlere Diesel kommt bereits recht gut bestückt daher. Zur Serienausstattung gehört Wichtiges wie Klimaanlage, CD-Radio und der Schleuderschutz ESP. Wer will, kann zudem noch Leichtmetallräder, ein Hochdach und Parkpiepser für das Heck ordern. Allerdings sorgt die Kastenform der Karosserie bereits für gute Übersicht nach hinten. An laufenden Kosten fallen die Prämie für die Kfz-Haftpflicht wie etwa 648 Euro bei der AXA im Jahr an. Der Fiskus verlangt 68 Euro.

Die übersichtlichen Kosten sind unterm Strich aber längst nicht mehr das Einzige Argument für den Fiat Doblo. Die einst eher spartanische Nutzfahrzeug-Ableitung hat auch in anderen Bereichen aufgeholt. Ambiente, Fahrkomfort und Sicherheit können überzeugen. Holger Holzer/mid

Bewertung:

Plus: großes Raumangebot, ordentlicher Komfort, gute Sicherheitsausstattung

Minus: Start-Stopp-System mit Aussetzern, mittelmäßige Sitze

Teststeno Fiat Doblo:

Fünf- bis siebensitziger Hochdachkombi; Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,39 Meter/1,79 Meter/1,85 Meter/2,76 Meter, Gepäckraum 790 Liter bis 3 200 Liter; 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 77 kW/105 PS, max. Drehmoment 290 Nm bei 1 500 U/min, 0 auf 100 km/h in 13,4 s, Höchstgeschwindigkeit 164 km/h, Verbrauch 5,2 Liter/100 km, CO2-Ausstoß 138g CO2/km, Euro 5; Versicherungseinstufung bei der AXA: KH: 647,53 Euro (Typklasse 20, SF 1, Zulassung Düsseldorf, 100 Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief), VK: 422,63 Euro (Typklasse 17, SF 1, 300/150 Euro SB); Preis ab 19 500 Euro. mid/hh

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