Die Volvo-Vision von Sicherheit - mehr als ein Marketing-Spruch

Hört man Fahrzeugsicherheit, denkt man Volvo. Nicht dass der schwedische Autobauer der einzige wäre, der sich um Sicherheit im Straßenverkehr kümmern würde. Aber das Thema Sicherheit ist seit jeher das zentrale Thema, mit dem sich Volvo am liebsten präsentiert. Und auch etwas dafür tut.

7Die Volvo-Vision von Sicherheit - mehr als ein Marketing-Spruch
mid Groß-Gerau - Demonstration am lebenden Objekt: Ende der 50er-Jahre zeigte der schwedische Stuntman Orvar Aspholm anlässlich der IAA mit einem vierfachen Überschlag, dass der Sicherheitsgurt unverzichtbar ist. Volvo


Hört man Fahrzeugsicherheit, denkt man Volvo. Nicht dass der schwedische Autobauer der einzige wäre, der sich um Sicherheit im Straßenverkehr kümmern würde. Aber das Thema Sicherheit ist seit jeher das zentrale Thema, mit dem sich Volvo am liebsten präsentiert. Und auch etwas dafür tut. Unvergessen die Entwicklung des Sicherheitsgurtes, den Volvo seit 60 Jahren serienmäßig einbaut.

Er ist bis heute im Auto der Lebensretter Nummer 1. Anlässlich der IAA 1959 zeigte der schwedische Stunt-Pilot Orvar Aspholm in einem "Buckel-Volvo" mit einem vierfachen Demo-Überschlag, wo Volvos Ziel liegen: Er entsteigt dem Auto - wie bei seinen 30 Vorführungen davor - dem Auto unverletzt.

Seitdem hat Volvo immer wieder Schwerpunkte in Sachen Sicherheit gesetzt, um den Insassenschutz inklusive Kindersicherheit zu verbessern oder Unfälle schon im Ansatz zu vermeiden. Signifikante Beispiele dafür sind unter den vielen hier ungenannten Meilensteinen die Crashanlage in Torslanda, die zu den aufwändigsten in der Welt gehört, oder das intensive Erforschen von Unfallursachen durch ein Team, das zu jedem Unfall mit Personenschaden im Großraum Göteborg ausrückt, bei dem ein Volvo beteiligt ist. Davon soll die Verkehrssicherheit generell profitieren: Deswegen wurden die Ergebnisse dieser Arbeit Unfallforschern aus aller Welt frei zugänglich gemacht.

Bei den permanenten Anstrengungen über Jahrzehnte hinweg wundert es nicht, dass Volvo 2007 eine mutige Vision proklamierte: "Wir wollen die Anzahl der Menschen, die in einem Volvo ums Leben kommen oder schwer verletzt werden, bis zum Jahr 2020 auf Null reduzieren." Jetzt, im Herbst 2019, darf man die Frage stellen, ob sich die Visionäre von damals nicht übernommen haben. Zumal schon damals klar war, dass "Null" einfach nicht möglich ist, weil es zum Beispiel egal ist, welches Markenemblem ein Personenwagen trägt, der von einem ungebremsten 30-Tonner zermalmt wird. Die Folgen eines solchen schrecklichen Unfalls sind immer fürchterlich.

Trotzdem ist Volvo auf einem guten Weg. Längst liegt das Augenmerk nicht mehr allein auf der passiven Sicherheit, sondern zunehmend auf der aktiven. Der beste Unfall ist der, der nicht passiert. Genau diesen Beitrag sollen die aktiven Systeme auf dem Weg zur "Null" leisten, die den Fahrer an die Hand nehmen und reagieren, bevor es brenzlig wird.

Um eine Bestandsaufnahme zu wagen, wo Volvo auf diesem Weg derzeit fährt, haben wir uns mit einem XC 40 des Modelljahres 2019 auf den Weg gemacht. Ganz bewusst wählten wir das kleinste Modell aus der SUV-Palette von Volvo. Wir wollten wissen, ob die serienmäßige Sicherheit nicht nur den größeren, teureren Modellreihen des Hauses vorbehalten ist.

Im Prinzip lässt sich Volvo unter diesem Aspekt nicht lumpen, denn bei den rein passiven Sicherheitseinrichtungen fehlt nichts, was die höher gestellten Modellreihen nicht auch an Bord hätten. Dazu gehört neben den zahlreichen Airbags für Frontal-, Seiten-, und Überroll-Unfälle zum Beispiel auch die stoßabsorbierende Sitzkonstruktion, die Wirbelsäulenverletzungen beim Abkommen von der Straße minimieren soll.

Auch der erste Blick auf die elektronischen Helfer, die einen Unfall vermeiden sollen, ist beruhigend. Besonders verdienstvoll: Das Sicherheitsassistenzsystem "City-Safety" gehört in jedem Fall zur Serienausstattung.

Der Begriff "City-Safety" ist dabei etwas zu eng gefasst, denn diese Technik müht sich nicht nur in der Stadt, Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern, wie Fußgängern, Radfahrern oder entgegenkommenden Kraftfahrzeugen zu vermeiden oder die Folgen zu reduzieren. Das kann sie auch auf der Landstraße. Begegnet der Volvo Großtiere - wie Elche, die in der Stadt eher selten unterwegs sind - tritt er notfalls von sich aus in die Bremse.

Die einzig offene Flanke beim Sicherheitsanspruch ist darin erkennbar, dass der sinnvolle Aktivposten "IntelliSafe Surround" nur gegen Aufpreis erhältlich ist. Im IntelliSafe-Paket sind der Totwinkelwarner (BLIS), der Querverkehrswarner beim Rückwärtsfahren (CTA) und die Unfallabschwächung beim Heckaufprall intergiert. Beim XC 40 sind dafür 540 Euro fällig - allerdings bittet Volvo dafür auch V90 Käufer mit einem ähnlich kalkulierten Betrag separat zur Kasse.

Unser XC 40 D4 AWD Inscription zum Testen hatte diese Systeme allesamt an Bord. Wie zuverlässig und diskret sie arbeiten, ließ sich auf mehreren Langstreckenfahrten prima ausprobieren - auch ohne das Herbeiführen von gefährlichen Fahrzuständen. Beispiele: Der Totwinkelassistent warnte zum auch dann zuverlässig, wenn sich ein Zweiradfahrer im "Sichtschatten" anpirschte, der "Pilot Assist" unterstützte den Fahrer elegant beim Spurhalten und förderte ermüdungsarmes Fahren, und die Reifenkontrolle erkannte den schleichenden Plattfuß eines Rades.

Auch gut: Das Erkennungssystem von Verkehrszeichen ließ sich selbst dann nicht irritieren, als in Italien anscheinend widersprüchliche Tempolimits für die Hauptfahrbahn und die Ausfahrtsspur angezeigt wurden. Alles Beiträge zum sicheren Fahren

Auch wenn Volvo hier am Kostendruck scheitert, um sein Versprechen für maximal machbare Sicherheit umzusetzen, so merkt man sehr schnell, dass die 2007 in die Welt gesetzte Vision vom unverletzten Fahren in einem Volvo kein hohles Gerede war. Dass dieses Ziel in seiner Absolutheit nicht erreichbar sein würde, war auch seinen Proklamierenden klar. Allerdings haben sie ihre Vision nie aus den Augen verloren: Denn wer sich keine Ziele setzt, erreicht überhaupt nichts. Die Vision war einfach der Appell, die Ärmel hochzukrempeln und zu handeln.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Das Risiko, in einem Volvo verletzt zu werden, ist seit 2000 immerhin bereits um 50 Prozent gesunken. Ohne die anspruchsvolle Vision von 2007 sähe das Ergebnis schlechter aus. Also kein absolutes Versagen auf ganzer Linie sondern ein beachtenswerter Erfolg. Hinzu kommt: Die Volvo-Techniker geben auch in Zukunft nicht auf. Sie werden die Jahreszahl 2020 einfach abdecken und weiter fieberhaft an der "Null" arbeiten. Mit Sicherheit!

Klaus Brieter / mid

Der Artikel "Die Volvo-Vision von Sicherheit - mehr als ein Marketing-Spruch" wurde in der Rubrik NEWS mit dem Keywords "Sicherheit, Test, SUV, Assistenzsystem, Kompakter" von "Klaus Brieter" am 22. Oktober 2019 veröffentlicht.

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